Eisenmangel & Eisenmangelanämie
– Infos für Ärzt:innen
Von Prävalenz bis Patientenführung.
Wissenswertes über Eisenmangel und Eisenmangelanämie in der ärztlichen Praxis.
Fundierte Informationen, kompakt & praxisnah.
Inhaltsverzeichnis
Eisenmangel & Eisenmangelanämie – vielfach präsent und doch leicht zu übersehen
Eisenmangel und auch die Eisenmangelanämie sind Phänomene, die aufgrund ihrer Prävalenz in der täglichen Praxis verschiedenster fachärztlicher Disziplinen nahezu ständig präsent sein dürften.1 Da sie vielfach im Zusammenhang mit anderen Grunderkrankungen auftreten, kann ihre Symptomatik durchaus darin aufgehen und so für den behandelnden Arzt unsichtbar bleiben.1 Umso wichtiger ist es, entscheidende Symptome, Risikogruppen, Diagnosekriterien, Eisen-Grenzwerte und Therapiemöglichkeiten zu kennen, um Patienten angemessen aufklären und versorgen zu können.
Erfahren Sie deshalb hier, wie häufig Eisenmangel und Anämie tatsächlich vorkommen, bei welchen Patient:innen ein besonderes Augenmerk auf diese Komorbidität zu legen ist, welche Folgen ein Eisenmangel bzw. eine Eisenmangelanämie haben können, welche Parameter bei der Diagnostik eine Rolle spielen und wie Sie in Ihrer Aufklärungsarbeit unterstützt werden können.
Was hat Eisenmangel bzw. eine Eisenmangelanämie mit Frauengesundheit zu tun?
Frauen sind insgesamt deutlich häufiger von Eisenmangel betroffen als Männer.1 Um genau zu sein, leiden Frauen mit einer regelmäßigen Menstruation 10-mal häufiger an Eisenmangel als Männer im gleichen Alter.2 Je stärker der Blutverlust während der Menstruation, desto häufiger tritt bei diesen Frauen ein Eisenmangel auf.2 Aber nicht nur der Zyklus, sondern auch Tumorerkrankungen erhöhen die Häufigkeit dieses Krankheitsbildes bei Frauen.3 Besonders hohe Zahlen an Betroffenen findet man aber unter Schwangeren. In dieser Phase besteht ein erhöhter Eisenbedarf.4
Haben CED-Patienten häufiger einen Eisenmangel?
Die Antwort lautet: Ja. Menschen mit einer chronisch entzündlichen Darmerkrankung (CED) leiden häufig unter Eisenmangel.5 Dieser kann jedoch im Zusammenhang mit den Symptomen der Grunderkrankung leicht untergehen. Dabei liegt die Häufigkeit zum Teil bei bis zu 90%.5 Ein mögliches Symptom, das auf einen Eisenmangel bzw. eine Eisenmangelanämie hindeuten könnte ist chronische Müdigkeit. Sie führt bei diesen Patienten häufig zu einer Beeinträchtigung der Lebensqualität.5
Werden die Folgen von Eisenmangel unterschätzt?
Die Tatsache, dass Eisenmangel häufig nicht diagnostiziert und therapiert wird, lässt dies zumindest vermuten.6 Ist Ihnen zum Beispiel während der Behandlung Ihrer Patienten stets bewusst, dass ein Eisenmangel und eine Eisenmangelanämie die Symptomatik bestimmter Grunderkrankungen aggravieren können? Dies kann nicht nur dazu führen, dass die Leistungsfähigkeit der Betroffenen abnimmt, sondern auch die Lebensqualität kann eingeschränkt sein. Und damit nicht genug – die Symptomatik kann sogar zu einer Verkürzung der Lebenszeit führen.1,7
Eisenmangel – ist Grenzwert gleich Grenzwert?
Die Frage deutet es bereits an: beim Eisenmangel sind Grenzwerte zum Teil sehr individuell zu betrachten. Der Hb-Wert ist hier nur ein Beispiel. Der Hämoglobinnormwert für Schwangere ist ein anderer als der für Männer oder Frauen insgesamt. Auch bei chronischen Nierenerkrankungen sind spezielle Hämoglobin-Referenzwerte relevant. Neben dem Hb-Wert ist das Ferritin (Eisenspeicher) ein diagnostisch besonders relevanter Parameter im Eisenstoffwechsel. Die Grenzwerte für die Ferritinkonzentration im Serum liegen im Zusammenhang mit einem Eisenmangel bei Herzinsuffizienz oder einer chronisch-entzündlichen Darmerkrankung in unterschiedlichen Bereichen.1
Ist Eisenmangel eine Frage von Mangelernährung?
Die Antwort auf diese Frage lautet eindeutig: Nein. Eisenmangel beschränkt sich nicht auf Länder, in denen Mangel- oder Unterernährung eine Rolle spielen. Es handelt sich um ein weltweites Problem, das auch in Europa eine hohe Relevanz hat. Für die ärztliche Praxis in Deutschland gelten neben Vorschulkindern und Frauen (Stichwort: Eisenmangel durch Menstruation oder Schwangerschaft) die Patienten als Risikogruppe, bei denen ein Eisenmangel nicht isoliert, sondern im Zusammenhang mit einer systemischen Erkrankung auftritt, wie z. B. einer Herzinsuffizienz.1,8
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Risikogruppen, Diagnose und Aufklärung bei Eisenmangel
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Referenzen:
- Duncker J, et al. Eisenmangel/-anämie: auch als Komorbidität nicht zu unterschätzen. Update Europe 2024; 5: 1–15.
- Breymann C, Auerbach M. Iron deficiency in gynecology and obstetrics: clinical implications and management. Hematology Am Soc Hematol Educ Program 2017 ;2017(1): 152–159.
- Interdisziplinäre S3-Leitlinie für die Früherkennung, Diagnostik, Therapie und Nachsorge des Mammakarzinoms. AWMF-Registernummer 032-045OL. Version 4.4, Juni 2021.
- Ruisinger P, Kainer F. Eisenmangelanämie in Schwangerschaft und Wochenbett. Die Hebamme 2017; 30: 20–26.
- Cappellini MD, et al. Iron deficiency across chronic inflammatory conditions: international expert opinion on definition, diagnosis, and management. Am J Hematol 2017; 92: 1068–1078.
- Camaschella C. Iron deficiency: new insights into diagnosis and treatment. Hematology Am Soc Hematol Educ Program 2015; 2015: 8-13.
- Kempf T, et al. Eisen und Digitalis bei Herzinsuffizienz. Aktuelle Kardiologie 2021; 10(4): 302–309.
- McLean E, et al. Worldwide prevalence of anaemia, WHO Vitamin and Mineral Nutrition Information System, 1993-2005.Public Health Nutr 2009; 12(4): 444–454.
- Rocha BML, et al. The Burden of Iron Deficiency in Heart Failure: Therapeutic Approach. J Am Coll Cardiol 2018; 71(7): 782–793.